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Mütter
sind meist entsetzt wenn sie bemerken das Ihr Kind anfängt sich
zu schneiden oder zu ritzen und der nächste Weg ist der Gang zum
Psychologen.Dieser wertet dann diese Verhaltensweise als
Autoagression. Ein Symptom das man unter anderen der
Borderlinestörung, Depressionen, Anorexia nervosa, Bulimie
Adipositas, Missbrauchserfahrungen, Deprivationen, Traumatisierungen,
psychotischen oder schizophrenen Schüben oder auch dem Autismus
zuordnet.
Das mag für viele Fälle zutreffend sein doch Marc,
um den es in dieser Geschichte geht weiß anderes zu
berichten.Er erzählt auf seiner Webseite von seiner Faszination für
Altrocker und im speziellen für Ihre Tatto's und über die
ersten Versuche im Alter von 14 sich selbst zu tättowieren."Mit
einer Nadel pikste ich mir die Farbe in die Wade. Als es fertig war,
dachte ich, dass das so noch nicht hält und schnitt die
komplette Schrift mit einem Tepichmesser nach."Spätestens
jetzt fängt sich der stinknormale europäische
Körperesthetiker an zu gruseln. Marc erklärt außerdem
seine Vorliebe für die "Modern Primitives"und seine
Begeisterung für traditionelle Riten und so wie er es erklärt
wird es auch für den Zweifler eine runde Sache.
Es hat
lange gedauert das Tattoo´s oder Piercings in unserer
Gesellschaft akzeptiert wurden, anfangs waren Tattoo´s ein
Erkennungszeichen für Knasti´s oder Rocker und Piercings
nur in der Punkszene akzeptiert. Mittlerweile ist das "normale"
tättowieren und piercen schon lange eine Modewelle.
Aber
damit hat Marc´s Vorliebe gar nichts zu tun, er geht einen
Schritt weiter. Er hat seine Vorliebe zum Beruf gemacht hat und außer
dem normalen Tättowieren und piercen beherrscht er auch
traditionelle Arten des tättowierens mit Hilfe von Schlegel und
Tatau.
Marc ist heute schon ein Gesamtkunstwerk an dem man die
verschiedensten Techniken des Piercens betrachten kann.Techniken wie
z.Bsp. implants, Zungensplit, punch,Scars.Der nächste logische
Schritt für Ihn war die Interesse für Rituale (wie z.Bsp.
Pulling, Suspension)und seine besondere Vorliebe für Swastikas
(Sonnenrad, in Deutschland als Hakenkreuz missbraucht)deren Existenz
übrigens schon über 6000 Jahren nachzuweisen ist.
Marc
ist heute selbstständig und ist Teilhaber eines Tatto - Piercing
Studios in Radolfzell am Bodensee.Der Shopname spiegelt deutlich
seine Vorliebe wieder, so heißt sein Laden "Swastika
Freakshop"und ist somit ein willkommener Gast bei
Freakinthecage.
Marc, erst mal vielen Dank das Du Dich bereit
erklärt hast Freakinthecage ein Interview zu
geben.
Denkst Du das das Tättowieren und im speziellen
das Piercen eine Modeerscheinung ist oder ein fester Bestandteil
unseres Kulturkreises werden könnte?
Marc:
Ganz
bestimmt hat es heutzutage einen hohen Stellenwert in der
Fashionwelt. Ein kleines Tattoo am Oberarm oder ein Piercing im
Gesicht ist heutzutage schon voll akzeptiert. Wobei ich nicht denke
das es zu einem Teil unserer Kultur werden wird. Mode kommt, Mode
geht. So war es damals bei den Arschgeweihen und so wird es auch in
ein paar Jahren mit den Sternchen Tattoos und deren gleichen sein.
Wobei
man natürlich ein kleines Oberarm Tribal nicht mit einem
Bodysuite vergleichen kann, genauso werden Tättowierungen
im Gesicht, Hals oder großflächige andere Sachen wohl in
unserem Kulturkreis nie akzeptiert werden.
Wobei
ich persönlich eh nicht viel von dem ganzen Fashion Scheiss
halte und eher froh bin wenn Tattoos nicht gesellschaftlich toleriert
werden... aber das ist ein anderes Thema...
Was hälst
Du von Leuten die Tattoo´s oder Piercings tragen ohne sich mit
deren kulturellen Bedeutung auseinander zusetzen?
Marc:
Viele
Leute kennen solche Sachen halt nur aus den Medien und eben da spielt
die Mode eine große Rolle. So ist es für die meisten
Menschen wohl eher eine Modeerscheinung. Wobei ich persönlich ja
spezialisiert bin auf traditionelle Sachen die meistens auch sehr
viel Platz beanspruchen und somit auch die meiste zeit Kunden habe
die sich nicht nur aus modischen oder rein dekorativen Gründen
tättoowieren lassen..
Auf Deiner Page habe ich ein
Foto von Dir gesehen auf der Du eine Art "Sonnentanz"(Das
durchstechen der Haut mittels Metall- oder Holzpflöcken um sich
daran aufzuhängen) ausführst. Was bedeuten Rituale für
Dich und was empfindest Du dabei ?
Marc:
Suspension
Rituale können einem eine Vielzahl an Gefühlen vermitteln.
Der Hauptgrund für mich ist das ich während einer solchen
Suspension total von allem drumherum abschalten kann. In dem Moment
wo du hängst und auch den gesamten Prozess herum, dem wir sehr
viel liebe und aufmerksamkeit schenken, bist du quasie alleine. Nur
du und dein Körper. Egal wo du bist und wieviele Leute
ausenherum stehen. Ich schalte das in so Momenten meistens aus und
erlebe neue Gefühlswelten die einfach nicht erklärbar sind
weil sie nicht vergleichbar sind. Zudem mach es eine Menge Spaß.
Man trifft sich mit gleichgesinnten und hat einfach Spaß. wobei
ich persönlich viele Leute kenne die Suspensions machen und
selbst keine Piercings oder Tattoos haben. Auch vom Alter her habe
ich Leute zwischen 16 und 60 kennen gelernt die Suspensions machen.
Es gibt dafür eigentlich keine spezielle Gruppierung von Leuten.
Suspension ist für jeder man und keine Freakshow, das ist das
was ich bei meinen Suspensions Events herüber bringen will.
Ist
es wahr das man im speziellen durch diese schmerzhaften Rituale einen
anderen Bewußtseinszustand erreichen kann?
Marc:
Klar,
wobei der Schmerz meist sehr nebensächlich bis überhaupt
nicht wahrnehmbar ist.
Bei
einer Suspension werden spezielle Haken wie ein Piercing in die Haut
eingebracht. Also nur durch die haut nicht durch Fleisch oder deren
gleichen. Dann wird mit einem speziellen Seilzug der Körper ganz
langsam angehoben. so das man sich an das Gefühl der Belastung
gewöhnen kann. Dieses Gefühl ist nicht wirklich
beschreibbar. Nicht wirklich schmerzhaft aber auch nicht angenehm.
Aber es lässt meist schnell nach und dann wird wieder etwas mehr
gezogen und so weiter. Bis man dann irgendwann den Boden unter den
Füßen verliert und in diesem Moment stößt der
Körper sehr viele Stoffe wie Endorphine und Adrenalin aus und
wenn man dann hängt hat man meist gar kein Schmerz mehr.
Es
ist ein wenig wie wen man fliegt da man selber keine Haltegefühl
zur Erde hat. Also man merkt die Haken nicht wirklich und kann dann
so einiges in der Luft erleben.
Welche
Rituale sind Dir besonders wichtig und warum gerade diese?
Marc:
Ich
persönlich am liebsten nur Suspensions und am liebsten im Freien
an einem schönen Platz mit schönem Ausblick.
Ich
finde es sehr schön auf diese Art in Einklang mit der Natur und
mit meinem Körper zu gehen.
Führt
das öffentliche Tragen einer Swastika Tattoo in
Deutschland nicht zu Problemen ?
Marc:
Langes
Thema. Zu lang. Zusammengefasst: es gibt keine offiziellen
Gesetze das man es tragen darf aber auch genug Lücken mit denen
man es darf. In meinem speziellen Fall wurde gerichtlich entschieden
das ich gegen keine Gesetze verstoße da ich mich deutlich von
der NSDAP und ihrer Ideologie distanziere.
Warum fasziniert
dich gerade die Swastika so sehr ?
Marc:
Wenn man das
Swastika einmal gesehen hat wie es ist dann versteht man das. Ich
meine ohne Vorurteile und ohne das Denken an das Hitler Kreuz.
Es
erfordert meist seine Zeit bis dies möglich ist aber wenn es
dann soweit ist wird man die Schönheit und die Bedeutung dieses
Symbols verstehen und lieben.
Nähere
Infos über Swastika und Bedeutung hänge ich bei. Ist ein
Bericht den ich für das „Expand Bodymod Magazin“ geschrieben
habe. Link...
Woher beziehst Du die Ideen für Deine
Tattoo`s ? Lehnen sie sich an einen bestimmten Kulturkreis an, bzw.
bevorzugst Du eine bestimmte Stilrichtung ?
Marc:
Die
Ideen stammen von verschiedenen Sachen. Ich versuche stehts etwas
neues zu kreieren wobei ich mich aber gerne an Kulturen und
vorhandenen Sachen anlehne und mich inspirieren lasse. Auch nutze ich
meinen Computer und moderne Techniken. Wobei das Grundkonzept und der
Rest alles aus meinem Gehirn entrinnt und meist nicht vorgeplant wird
sondern direkt vor dem tättowieren mit dem Kunden zusammen
entsteht.
Ich
denke das ist für mich und den Kunden das beste. Da das Tatto in
einer natürlichen Aktion auf seiner Haut entsteht wobei
natürlich die Gesamtsituation und die Atmosphäre zwischen
uns beiden und dem Tag dazu beitragen. Das ist in meinen Augen die
persönlichste Art ein Tattoo zu entwickeln.
Meist
hab ich davor ein groben Plan oder Vorstellung in meinem Kopf wobei
die ziemlich oft über den Haufen geworfen wird, weil ich ja auch
nicht weiß was anderen gefällt... deswegen versuche ich
soweit wie möglich auf meine Kunden einzugehen. Wobei manches
was sie sich vorstellen nicht realisierbar ist oder eventuell wäre
aber nicht das beste Resultat erzielen würde..
Und
natürlich eine Frage die nicht fehlen darf: Wie reagieren die
Leute auf der Straße auf Dein Aussehen ?
Marc:
In
Deutschland eher verachtend. Es wird auch eher gelästert und
nicht direkt etwas gesagt. Kinder sind da noch anders die sind eher
fasziniert und haben noch keine gesellschaftlichen Blockaden was toll
und was nicht ist.
Laut
Deiner Webseite trittst Du mit Deiner Performance auch auf. Ist da in
nächster Zeit etwas geplant. Wo könnte man Dich sehen
?
Uff. Meistens hab ich da nicht so ein Plan von. Da ich ja
auch mit anderen zusammenarbeite und die eher die Planung machen.
Vielen
Dank für das Interview. Freakinthecage wünscht Dir mit
Deinem Shop und Deinen Auftritten weithin viel Spaß und
Erfolg. Hier noch die Adresse vom Freakshop:
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